Weihnachtsgrüße

Allen Bloggern wuensche ich ein froehliches Weihnachtsfest LaWe

     

    Stimmungsladen

    Stimmungen transportieren Gefühle und Emotionen jeglich Art. Wie in einem Kaufmannsladen liegen die zahlreichen Stimmungen in den Reaglen und ich muß mich nur bedienen.

    1. heut nehm ich mir mal was zum lachen mit
    2. oder morgen werde ich mir etwas zum heulen aussuchen
    3. und wie wäre es in der nächste Woche mit glücklich sein?
    4. zur Abwechslung, damit es nicht zu langweilig wird, auch mal was zum fürchten
    5. und zur Steigerung gibt es etwas zum gruseln


    Ach, wenn das so einfach wäre mit den Stimmungen, dann würde ich jetzt in den Kaufmannsladen gehen und mir eine große Tüte Weihnachtsstimmung abpacken lassen müssen. Dann ginge ich konform mit der Zeit der Tannenbäume, den Weihnachtsmännern und dem Glockengeläut, das in weinigen Tagen zu hören sein wird.

    Aber diesen StimmungsLaden suche ich ebenso wie der kleine Muck, der den Kaufmann suchte, der das Glück zu verkaufen hat. Und wie der kleine Muck werde ich die weihnachtsliche Stimmung nicht dort finden, wo ich glaube, sie zu finden.
    Die Weihnachtsstimmung schleift sich wie fast jedes Jahr schon in Frühherbst ab, dann wenn der Handel die Lebkuchen und Weihnachtsmänner in die Regale stellt. Die ersten kleinen VorBoten sollen "Lust" auf Weihnachten machen und nehmen mir mit ihrem frühzeitigen Geläut die richtige Stimmung.

    So werde ich auf die Stimmung und wie auf die Geschenke noch warten müssen und mit beiden ist erst am heiligen Abend zu rechnen
     LaWe

     

    Hoffnungsschimmer am Firmament

    Die Schlagzeilen der Medien sind meist negativ

    "Ist dies und das noch zu retten?" oder sie sich verdeckt negativ
    "200 Arbeitsplätze gerettet - und im Kleingedruckten kann man nachlesen - Wenn wir nicht 2000 Mitarbeiter entlassen hätten und unsere Produktion nach Polen verlegt hätten, dann wäre die Firma ganz den Bach runter gegangen"

    Das sind die Nachrichten, die mich aus dem Schlaf reißen und gleichzeitig daran hindern, am Morgen überhaupt aus den Federn zu steigen.

    Und es kostet jeden Tag ein bißchen mehr Kraft, dem nachfolgenden negativen GedankenDruck: "Wofür soll ich noch aufstehen? Das hat sowieso keinen Zweck mehr, warum soll ich mich überhaupt noch anstrengen?" nicht nachzugeben.

    Aber heut früh rüttelte mich eine positive Nachricht wach "Immer mehr Länder prüfen die Anträge der EnergieKonzerne auf Preiserhöhungen und immer mehr Länder lehnen die Preiserhöhungspolitik der EnergieKonzerne ab!"

    Endlich, endlich, endlich nimmt, auch wenn nur zagthaft, aber doch an wichtiger Stelle, die Politik das Ruder wieder in die Hand.

    Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, wes sie Politik ihren Bürgern machen kann und bringt sogar mich noch in letzter Sekunde Weihnachtsstimmung.
     LaWe
     

    aufreibende Übergabe

    Nach ach 3 Wochen Abwesenheit wurde die Lenkung der Besitzerin wieder übergeben.

    Die Übergabe ganz simpel, ein kleiner Bericht bringt den Überblick der vergangenen 3 Wochen.

    Was blieb beim Alten?

    Was hat sich verändert?

    Wurde alles richtig gemacht?

    Oder wurde etwa anders oder gar falsch gemacht?

    Diese und andere Fragen nagten auf dem Weg zur Übergabe ein wenig an mir. Aber das ist es nicht allein, sondern als wirklich unangenehm empfinde ich, wenn bei der Gelegenheit ahnungslos zwischen Fronten gerate, die erst während der Übergabe sichtbar werden.

    An den Augen der Besitzerin kann ich ablesen, wenn ich auf so eine Front treffe.

    Mit den unterschiedliche Arbeits- und Herangehensweisen stoßen auch die unterschiedlichsten Auffassungen aufeinander. 
    Wehe dem, der sich grade in der Vermittlerposition zwischen den unterschiedlichen Auffassungen befindet oder dem, der sich einer unpolulären  Auffassunge nähert, der bekommt schon den ersten Stromschlag des Besitzers des gegenüberliegende Prinzips zu spüren.

    Die Ahungslosen, die Scheuen oder solche, die sich nicht trauen, sich ebenso absolut zu positioenieren, wie es die Prinzipiellen tun, sie laufen mitunter in diese Fronten und werden von den Stromschlägen getroffen. 

    Während die Prinzipiellen auf ihre Position bestehen, an ihren Standpunkt festhalten, schwimmen die Vermittler zwischen ihren Fronten und suchen nach unsichtbaren Gleichnissen zwischen den unterschiedlichen Auffassung um alle auf einen Nenner zu bekommen.

    LaWe
     

    Heut früh - herrliche eine Winterlandschaft

    Ich habe noch etwas Zeit und springe noch einmal unter meine Federn.

    In solchen Momenten bin ich froh, ein warmes  Zuhause zu haben

     

    LaWe
     

    Zulauf

    verwirrt verirrt durch eine Umstellung, täglich sehe ich neue alte Gesichter.

    Toll

     

    LaWe
     

    Oh Man

    das mit der Umstellung geht gegen den Baum, die alte BlogGemeinde ist auf und davon. Viele haben nur in ihre WebLog reingeschaut und "Tschüß".

    Aber das ist wirklich eine Zumutung. Die attraktive und handliche Software von 20six einfach aufzugehen, das war bestimmt ein schwerer Fehler.

    LaWe
     

    Kullern

    Nachdem gestern nur eine Träne aus dem Knopfloch schaute, kullern sie heut doch etwas, nein, was sage ich, die laufen in Strömen.

    Das was 20six momentan den Bloggern anbietet, ist fast schauderhaft.

    Da ist diese Software hier fortgeschrittener als die neue von 20 six.

    LaWe
     

    Tränen im KnopfLoch

    Gestern ist das seit Tagen angekündigte passiert. 20six ist von Sender gegangen und nun mitten in seiner Umstellung der Software. Und werde heut abend sehen, was sie für die Blogger dort geleistet haben.

    Naja, mit den Hacker konnte es ja auch nicht mehr so weiter gehen. Er hatte sich besonders am Wochenende die User vorgenommen und sich überf ihre Verärgerung gefreut. Aber was wäre die Welt ohne Blödmänner? Dann hätte niemand etwas, worüber sie sich ärgern können.

    Das sind diese Typen von Menschen sind destruktiv gestrickt, stiften mit Wonne eine Unruhe in einer Gemeinschaft und sich dann freuen, wenn Beschimpfungen von den Gestörten ernten. Und Beschimpfungen und Tränen bekam der Hacker reichlich. Im Support waren dsie für ihn gut nachzulesen und so konnte er sich brühwarm schon reinziehen.

    Das Layout hier ist das selber wie bei 20six und man erhält sogar alle Leistungen kostenlos, die bei 20six schon in die Kosten gingen.

    Aber so ist das Leben,  Logik ist schwer zu entdecken oder etwas doch?

     

    LaWe
     

    Schrottsockel

    Schrottsockel

    Ich stehe daneben und wundere mich. "Was soll denn das werden" frage ich mich.

    Menschen agieren und reagieren, d.h. in zeitlicher Folge geht der Reaktion eine Aktion voraus.

    Betrete ich Neuland oder ein "abgestecktes Revier" einer anderen Person, ziehe ich mich selbst auf Stufe 2 zurück und reagiere auf das, was der Akteur mir vorgibt. Er íst sozusagen der Vorturner, der seinen Gefolge zeigt, wo es lang geht.

    Das Gefolge reagiert darauf und folgt den Anweisungen. je klarer die Vorgabe, je besser die Umsetzung durch das Gefolge.

    Aber dann kommen Vorgaben, die dem Gefolge inhaltlich unentschlossen bleiben. Weder nachahmenswerte noch vorgabetaugliche Inhalte sind zu erkennen. Und das Gefolge steht ratlos da und weiß nicht, wie es den Verrenkungen des Vorturners folgen soll. Das Gefolge weiß nicht, was der Vorturner von ihnen will.

    Von ihnen will? Mein kritischer Blick offenbart mir dann die neuste Version: "Des Kaisers neuen Kleider"

    Der Kaiser, der in der Illusion lebt, er trüge die teuersten und schönsten Kleider der Welt. In Wirklichkeit präsentiert er sich seinem Volk nur in seiner Unterwäsche. Der Kaiser ist Opfer seiner Eitelkeit, sie hatte ihn blind gemacht.

    Ja, ähnlich ratlos stehe ich vor meiner "Kaiserin", die mir ihre nachahmenswerte Vorlage zum Besten  gibt.

    Aber wenn ich sie mit meinen noch intakten Kinderaugen sehe, ja, dann sehe ich nur - Flügelschlagen - sonst nichts. Nur das sinnlose Flügelschlagen einer Henne.

    Flügelschlagen von einem Geflügel, das mir seinen Flug vorführen möchte, obwohl es nicht fliegen kann.

    "Was soll das den werden?" frage ich mich und sehe liebe weg als hin, peinlich  der Anblick des wichtigtuerischen Flügelschlages und es fehlen mir die Worte. Die sinnlosen und kräftezerrenden Aktionen, sie wirbeln Staub auf und mit ihm mein Respekt, der sich ebenfalls in Staub auflöst.

    Die Oberhand für das Agieren hat der Status. 

    Die Angst um Status- und Imageverlust geben sich mit dem Zwang die Hand, sich als Vorturner permanent  produzieren zu müssen. Der Vorturner kann durch seine blinde Eitelkeit nicht mehr erkennen, dass es sich bei dem Produktionsausstoß der Anteil der Abfallprodukte stetig zunimmt. Abfall, untauglich als Vorlage und untauglich zur Nachahmung. Produkte die mit seiner Fertigstellung schon zerbrechen.

    Der Vorturner ist der Annahme, das es sich bei seinen Produkten um Quälitätsprodukte handelt und produziert am laufenden Band.

    So türmen sich Berge von Abfallprodukten vor ihm auf. Aber durch die Brille der blinden Eitelkeit sieht der Müllberg wie ein Sockel aus.

    Stolz steigt der Vorturner auf den selbst erschaffenen Sockel . Nun kann er noch weit sichtbar und werbewirksamer mit ausgebreiteten Flügel schlagen.

    Oh mein Gott, was soll denn das werden?

    Der selbstgebastelte Sockel kann gar nicht hoch genug werden um auch noch den hintersten aus dem Gefolge zu beeindrucken.

    Und plötzlich steht da ein Kind und  es ruft laut:

    " Das ist ja alles Schrott, was du unter deinen Füßen hast!"

     

    System unter Beschuß

    System unter Beschuß

    Träume, eine bizarre Welt.

    Die Darsteller und Kulisse verschlossen und komponiert aus den Einwirkungen des Tages. Als unbedeutend versinken Eindrücke in die Untiefen der Erinnerung.

    Dann, wenn die Mitternacht vorbei und der Mondschein  ins Schlaffzimmerfenster fällt, dann steigt ein bunter Chocktail der Erinnerungen wieder auf und wandelt als Gespenst durch die schlafende Nacht:

    "In meiner Wohnung,  alles ist ruhig, alles unverändert. Ich horche und prüfe, etwas ist im Raum. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Ich bleibe in meiner Nische, von dort kann ich den Eingang meiner Wohnung übersehen.

    Etwas ist in Wohnung, ich kann nichts sehen, kann nichts hören. Meine Nische, meine Ecke, meine Höhle, meine Zuflucht, das Bett. Von  dort aus beobachte ich den Eingang.

    Ein kleiner Türspalt läßt mir den Einblick.

    Ich höre eine Bewegung, ein rascheln im Flur. Ich sehe genauer hin, es ist eine Person, eine vertraute Person und schenke ihr nicht viel Beachtung. Ich sehe an ihrem Rücken, dass die Person sich in meinem Flur irgendwie zu schaffen macht und nehme das argwönisch nehme zur Kenntnis.

    Wer hat die Person eingeladen? Hatte ich sie erwartet und es nur vergessen? Wer hat die Person in die Wohnung gelassen?

    Mißtrauisch verfolge ich die Bewegungen weiter, finde aber keine Antwort auf meine Fragen.

    Die Person macht sich an Regalen zu schaffen, die seit dem Traum in den Raum stehen.  Die Ablage in den Regalen ist unsortiert und unaufgeräumt.

    Mit hastigen Bewegungen durchstöbert die Person die Regale.

    Sie heizt sich auf.

    Sie pumpt sich hoch.

    Sie schaukelt sich in die Höhe.

    Ich kann den Blick nicht mehr von ihr wenden. Die Person wirkt aufgestachelt und unkoordiniert.

    Ein Kontrolleur mit einen Kragen, einem weißen Kragen, der viel zu eng am Hals liegt. 

    Ein Reagalkontrolleur, der die Kontrolle über sich verliert?

    Instinktiv von mir erwartet, die Person zieht ein schweres Geschütz und schießt aus vollen Rohren.

    Abwechselnd nimmt sie meinen Sohn und mich unter Beschuß. Mein Sohn und ich, wir sind getrennt. Er flieht in sein Zimmer und wir verschwinden beide unter der Bettdecke. Wir bleiben in Verbindung, auch wenn wir uns nicht sehen.

    Ich halte einen kleinen Ritz duch die Bettdecke offen. Die vertraute Person wütet weiter und schießt aus vollen Rohren, einfach drauf los, einfach durch die Gegend.

    Sie weiß, wir sind in der Wohnung, sie weiß nicht, in welcher Ecke wir uns versteckt haben. Sie kann den Vorraum meiner Wohnung nicht verlassen, die Schwellen zu uns nicht überwinden.

    Sie nimmt sich die Wohnung flächen haft vor. Die vertaute Person ist gebrechlich und kann das schwere Geschütz nicht tief halten.

    Mein Sohn und ich, wir liegen tief, sehr tief und ziehen den Kopf ein, schützen ihn mit bloßen Händen.

    Dann ist es still, unheimlich still. Die vertraute Person hat ihr Pulver verschossen, zieht sich unbeholfen und erschöpft zurück.

    Mein Sohn und ich, wir haben uns getrennt geschützt. Jeder auf seine Weise, jeder mit seinen Fähigkeiten......"

    Warum muß man sich von einer vertrauten Person unter Beschuß nehmen lassen, wenn der Kragen, den er sich selber zu eng geschnürt hat, platzt?

    Warum muß man sich sich vor einer vertrauten Person schützen, bei der man Schutz finden sollte?

    Was schnürte dem Vertrauten wirklich den Kragen zu?

    War sie unfähig, in das System anderer zu blicken, registriert dies unbekanntes System?

    Ja, sie eleminiert unbekannte System der Angehörigen wie einen Virus in einem Betriebssystem.......


     

    Zerfall

    Zerfall

    Eindrücke sprechen mich an, ohne dass ich darauf reagieren kann.

    Der Verstand, er will keinen Stau, dann fährt unverdauten Eindrücke in einen Boxenstop und sie verschwinden aus meinem Blickfeld.

    Der Eindruck aber arbeitet weiter, stellt Verbindungen zu alten Eindrücken her, arbeitet alles zu einem schrecklichen Traum um:

    "Die ersten Bilder des Traumes schleichen sich an meinem Gedächnis vorbei.

    Das Fach bleibt leer, die Vorgeschichte bleibt aus.

    In der nächsten Sequenz bin ich mit meiner Freundin in einem weiß gefließten Raum. Sie ist schwer krank, ich habe ihre Pflege übernommen.

    Sie steht mir nah.

    Sie liegt mir am Herzen.

    Ihr Leid, es nagt an auch an meiner Substanz.

    Es hat sie arg erwischt, sie ist geknickt.

    "Laß den Kopf nicht hängen" ich muntere sie auf.

    Ich weiß, was ich sage, ist eine Farce. Ich sehe sie verstohlen an und hoffe, sie kann mir meine Ohnmacht nicht ansehen. Nach außen strahle ich Optimismus aus, während innerlich die Verzweiflung an meiner Substanz nagt.

    Ich hoffe auf Ablösung meiner Pflege, ich muß mich erholen, einen neuen Stapel Substanz in Ruhe nachwachsen lassen.

    Flüchtig sehe ich meine Freundin an, tue so, als hätte sie eine leichte Grippe. Über die Haut, die die Knochen zusammenhält sehe ich hinweg. Den Anblick ertrage ich schon lange nicht mehr.

    Ihr Kopf hängt tief über das Waschbecken, viel zu tief.

    "Hebe deinen Kopf" bitte ich sie. Kritisch sehe ich die oberen Halswirbel an, sie dehnen sich schon viel zu weit auseinander. Meine Freundin nickt in dieser Haltung mit zu, verändert sie aber nicht.

    "Du mußt deinen Kopf heben" sage ich schon etwas schärfer im Ton.  Dieser Ton, er verursacht mir Schmerzen.

    "Ja" antwortet meine Freundin mit schwacher Stimme "aber mir fehlt die Kraft, den Kopf zu heben. Er ist so schwer geworden"

    Vor Ohnmacht frißt die Verzweiflung an meiner Substanz, wie in aufgeregtes Mädchen an den Fingernägeln. Oh mein Gott, was soll ich nur mit ihr machen? Ihr Kopf hängt zu tief, ihre Knochen sind schon sehr mürbe von der Krankheit.

    Ich kann meine Freundin nicht länger mit meinen Ermahnungen quälen, mir fehlt die mentale Kraft, schalte den Hebel auf Grippe um.

    Der schwereKopf zieht den Oberkörper weiter nach unten. Mehr hängend als gebeut steht meine Freundin am Waschbecken. Besorgt sehe ich auf die auseinander gedehnten Wirbelknochen im unteren Rücken an. Die dünne Haut wird sie nicht mehr lange zusammenhalten können.

    "Richte dich auf" bitte ich meine Freundin. "Du stehst zu weit nach vor gebeut, dass ist nicht gut für deinen schwachen Rücken" will ich begreiflich machen, hoffe auf ihre Mitwirkung.

    "Ja" antwortet sie mir wieder mit schwacher Stimme "du hast Recht" und bezeugt mir ihre Mitwirkungsabsicht. "Aber ich habe keine Kraft mehr , mich aufzurichten" Die Verzweiflung knappert weiter an meiner Substanz. Sie ist bis auf eine hauchdünne Schicht aufgebraucht und zerbrechlich wie ein ausgetrockenes Blatt geworden.

    Ohnmächtig greife ich nach dem Umschalter für Grippe und helfe meine Freundin bei der Morgentoilette. Ich fürchte, mein innerer Aufschrei schallt von den Fliesen des kalten Raumes aus allen Ecken wieder zurück.

    Die Morgentoilette ich beendet, ich habe das Handtuch nicht zur Hand, muß es noch schnell vom Hacken holen. Er ist nur 2 Meter vom Waschbecken entfernt.

    Ein paar Schritte, ein Griff zum Handtuch.

    Qäulende Aufschreie gehen in mehreren dumpfen Geräuschen unter.

    Blitzschnell drehe ich mich um.

    Grade sehe ich noch, wie sich der Rumpf meiner Freundin vom Unterkörper löst. Er fällt am Beckenrand herunter, in dem schon der abgelöste Kopf mit weit aufgerissenen ängstlichen Augen liegt.

    Ich schreie so laut ich kann, aber der Aufschrei kann den Verfall ihres Körpers nicht mehr aufhalten.

    Stückweise zerbricht er vor meinen Augen und mit ihm  meine nur noch hauchdünne Substanz.

    Für einen Moment möchte ich an der Stelle meiner Freundin sein, dann müßte ich mir das grauenvolle Bild ihres zerbrochenen Körpers nicht ansehen.....

     

    Verbot

    Verbot

    "Frau H..., ich hab wieder mein Trinken vergessen" damit gegrüßt mich eine Kleine, als ich sie vom Hort abhole. Sie und noch viele andere Kinder hole ich von Hort und Kindergarten ab und dann folgen sie mir im Entengang.

    Wir gehen gemeinsam in die naheliegende Sporthalle und haben 1,5 Stunden Spaß und Bewegung.

    Die Tage sind heiß, die Kinder schwitzen und so folgt Trinkpause auf Trinkpause. Die Trinkflaschen sind schnell leer und wer seine vergessen hat. muß dursten. Oder ein Freund oder eine Freundin teilt mit ihnen den letzten Schluck.

    Ich weiß, die Kleine hat eine Freundin, sie kommen beide zum Sport. "Vielleicht gibt dir deine Freundin ein Schluck ab, frag sie doch mal" antworte ich in der Hoffnung. dass meine Stimme nicht im Lärm untergegangen ist.

    Später dann in der Umkleide kommt die Kleine noch einmal auf mich zu und erzählt mir traurig, ihre Freundin  kann ihr kein Trinken abgeben. "Warum denn nicht?" frage ich erstaut. Ihre Freundin antwortet "Meine Mutti hat mir verboten, das Trinken aus der Sporttasche zu nehmen" ruft sie mir mit großen Augen zu.

    `Kleine Trickliese` denke ich mir und hebe sofort das Verbot der Mutter auf.

     

     

    Vertrauen

    Vertrauen

    Nach 3 Monaten mit ihnen schwitzen und Hampelmann machen habe ich es endlich geschafft. Die Kleinen winken mir nach oder zeigen mir ihr neues Fahrrad.

    Manchmal hüten wir auch gemeinsam ein Geheimnis. Ich sage nicht, dass sie einen Bonbon mehr als Belohnung bekommen haben. Sie schweigen auch.

    Gemeinsam legen wir zwei Fingerspitzen auf die Lippen und verschließen symbolisch wie mit einem Reißverschluß den gesprächigen Mund, werfen dann symbolisch den Schlüssel weg und mit einem festen Blick in die Augen versprechen wir uns, wir werden schweigen.....


     

    Kampf der Hähne

    Kampf der Hähne

    Klein aber fein, die kleinen Vorschulklässler. Hand in Hand wandeln sie mit mir die Straße lang. Zehn Stück an der Zahl, die sich statt mit Stimme nur mit Autorität zusammen halten lassen.

    Ab und zu entfalten sich kleine Kämpfe zwischen den Jungs und dann sehen sie wie kleine Welpen kein Land mehr.  Meine ermahnenden Zwischenruf gehen in ihrem Lärm unter. Ihre Ohren sind überlastet von ihren eingenen Kampfgebrüll "Du bist doch doof", "Nein, du bist doof".  Sollte ich jemals den Versuch unternehmen und herausfinden wollen, wer wirklich doof ist und angefangen hat, dann hätte ich für den Rest des Tages zu tun, ohne wirklichen einen Schritt weiter zu kommen.

    Kampfhähne wollen kämpfen und suchen nicht wirklich nach Gerechtigkeit.

    Aber dafür ist keine Zeit. Die Sporthalle für die Kleinen ist gemietet und die Eltern erwarten Kinder, die nach der Sportstunde von Müdigkeit ins Bett fallen. 

    Also muß ich in den Kampf der Hähne einschreiten und sie trennen. Das gefällt ihnen gar nicht. Während der eine sich schnell der Situation fügt, ist der andere noch lange nicht so weit. 

    Mit zusammengeschlagenen Armen über der Brust, einen Mund zu einer Schüppe verzogen,  die Falten zwischen den Augen zusammengekniffen und fest entschlossen, keinen Schritt mehr weiter zu gehen. So posiert er sich vor mir auf und zeigt mir damit "Ich gehe keinen Schritt mehr weiter".

    Ich stehe da und überlege, was soll ich jetzt machen?  Es noch einmal darauf ankommen lassen und darauf hoffen, das sie von dem Hahnenkampf lassen?

    Oh nein, die Warnschüsse hatte ich schon im Vorgeplenkel verschossen.

    Auf Vernunft hoffen? Oh nein, wer kämpfen will hört nicht auf seine Verunft und ein 5 Jähriger wird es ganz bestimmt noch nicht tun.

    Also lasse ich die Kindergruppe stehen und auf ihn warten. Sie machen mit und warten mit mir zusammen. "Wir gehen erste weiter, wenn du auf den Platz gehst, den ich dir gesagt habe" ich weiß, es ist eine kleine Erpressung, aber ich sehe, sie geht nicht spurlos an ihm vorbei. Er arbeitet in seinem Kopf gang gewaltig. Die überschlagenden Arme werden noch fester an die Brust gedrückt und das Gesicht verkniffener.

    Die Kindergruppe steht vor ihm und wartet darauf, das der kleine Kampfhahn sich ihnen anschließt.

    Er rührt sich nicht von der Stelle. Ich wiederhole meinen Satz: "Wie gehen erst weiter, wenn du dich an den Platz stellst, den ich dir gesagt habe"

    Sein Bockgesicht nimmt einen noch schärferen Ausdruck an und ich merke die Spannung zwischen uns, "Jetzt nicht aufgeben" sage ich mir "Halte durch" ermuntere ich mich.

    Der Druck zwischen mir und dem kleinen Kampfhahn nimmt weiter zu. Ich halte durch und halte gegen.

    Dann gibt er seine Pose auf und schließt sich der Gruppe an. Er und ich, wir folgen zusammen Hand und Hand der Kindergruppe. Nach wenigen Minuten entspannt sich der Kleine und springt wieder herum wie ein Wiesel.

    Vergessen der Bock, vergessen der Hahnenkampf.

    Oh nein, nicht ganz vergessen. Ab und zu vergaß er sich wieder und suchte der Kampf. Aber er lies sich von mit ganz schnell wieder auf der Kampfsituation herausziehen und strahlte mich später an.

    Ja, so sind sie, die kleinen Hahnenkämpfer. Ich liebe sie über alles, sie sind eine Herausforderung für mich. Stets sind sie auf der Suche, der ihnen ihre wildwuchernden Flügel stutzt und als Dank dafür bekommt man ihren strahlenden Blick.

    Der Machtkampf zwischen uns beiden war ein Gewinn für ihn. Er hatte es geschafft, seinen Willen der Gruppe unterzuordnen und damit war die Spaß für ihn an dem Nachmittag garantiert.


     

    Verehrer mit Charme

    Verehrer mit Charme

    Seit ein paar Wochen kennen wir uns schon. Er gehört zur Gruppe der Vorschulkinder und hat ein Auge auf mich geworfen  .

    Wenn wir spielen "Hundehütte" und ich als Hund auf allen vieren eine Hütte auf Kommando suchen muß, ruft er nach mir und hält er einen Platz in seiner Hütte für mich frei. Ich muß mir keine Sorgen machen, dass ich im Regen stehen muß.

    Ein Kompliment für meinen Rock bekam ich auf dem Weg zur Sporthalle "Sie haben aber einen schönen Rock an" bemerkte er so in Vorbeigehen.

    Heut auf den Weg in einen anderen Kindergarten mit anderen Kinder hörte ich meinen Namen schon aus der Ferne "Frau H....." tönte es ganz laut. Den Ruf kannte ich von HundehüttenSpiel.

    Der Kleine war´s, mein kleiner Verehrer. Mit seiner Mutter spielte er in der warmen Herbstsonne auf einem Spielplatz. Zwischen uns war ein Zaun, der ihn aber nicht hinterte, zu mir zu kommen.

    Stürmisch kletterte er extra für mich über den Zaun und begrüßte mich herzlich mit einer Umärmelung.

    Ach, kann das Leben doch schön sein - mit so einem Verehrer sogar noch besser...

     

     

    Stierbändigerein

    Stierbändigerein

    Spiele im Sport bringen Abwechslung, Spaß und bereichern den Selbsterfahrungsschatz um ein vielfaches.

    Schon die Mannschaftsbildung wird zu einer Herausforderung für die Kleinen. Von 20 Kindern heben 20 Kinder die Hand "Ich will die Mannschaft aussuchen dürfen" brüllt es von allen Seiten in meine Ohren. 2 Kinder sind schnell bestimmt und schon donnert es in der Lautstärke eines Raketenstarts an meine Ohren "Das ist ja ungerecht. Ich war noch nie der Kapitän" Ich stelle mich taub und höre so nichts mehr.

    Dann suchen die glänzenden Kapitäne sich ihre Favoriten für ihre Mannschaft aus, die in wenigen Minuten Stockhocky spielen wird.

    Sie erhalten alle einen Stock. Ein fester Gummiring ist das Objekt, das mit dem Stock auf den  Boden ins Tor geschoben wird. Einer aus der Mannschaft wird zum Torward ernannt und auf Pfiff beginnt das Spiel.

    Und schon stürmen die Kleinen wie kleine Stiere durch die Halle. Jeder ist auf den Gummiring und das Tor fixiert, jeder von ihnen sieht ein bißchen rot, wenn Ring und Tor wieder an die gegnerische Mannschaft verloren gehen.

     "Das ist ja ungereeeeecht" donnert es von allen Seiten in meine Ohren. Jeder, aber auch wirklich jeder will den Gummiring in seinen Besitz. Was kümmer der Mannschaftsgeist, was kümmert das Tor. Der Ring wird zur einzigartigen Beute erklärt und verbissen hängt sich jeder dran, so gut er kann.

    Dann fallen doch die ersten Tore und mit den ersten  Tränen kommen die kleinen Böcke ins Spiel, sie setzen sich kurzentschlossen auf die Bank  "Ich spiel nicht mehr mit" , "Warum nicht?" frage ich. "Deeer hat mir den Ring weggenommen" erhalte ich zu Antwort. "Dann hole ihn dir wieder zurück" ermuntere ich zum weitermachen.

    Aus dem Bock wird wieder ein Stier und der stürzt sich ins Treiben, sieht nur den Ring und dabei wieder rot. Das ein Mitspieler im Wege steht, entgeht dem kleinen Stier und schon ist der andere über den Haufen gelaufen.

    Sein Aufschrei ist nicht zu überhören, die Tränen fließen in Strömen. "Der hat mich gestoßen" ein schwerer Vorwurf gegen den Mitspieler. "Das war keine Ansicht und Hockey ist eben ein hartes Spiel" mit den Worten trockne ich dem Kleinen die Tränen.

    Nach ein paar Brüllern hat er sich vom Schreck erholt und stürzt sich auch wieder ins Spiel. Der Ring ist fast in seiner Nähe, fast in einem Stock, er sieht das Tor schon vor sich und den Erfolg schon in seinen Augen.

    Da kommt aus dem Hinterhalt ein Stock und der entreißt ihm frech den Ring, der schon fast am Ziel war. Der Aufschrei des Kleinen überfordert mein Trommelfell. Schmerzhaft zieht es sich zusammen, ich reagiere sofort und schaffe es im letzten Augenblick. Der Kleine hat seinen Stock schon zum entscheidenden Schlag erhoben. Er wollte seinem Gegner grade einen überziehen, als mein fester Griff seinen Stock festhält.

    "Ich spiel nicht mehr mit" schreit der enttäuschte Kleine dann unter Tränen, setzt sich auf die Bank und läßt den Rest seiner Mannschaft Mannschaft sein.

    Ich rede ihm ins Gewissen und das nagt doch etwas. Dann entschließt sich der Kleine "Ich mache wieder mit".

    Der Torwart läßt sich austauschen, er will auch mal mit Stock und Ring durch die Halle flitzen.

    Ein kleines Mädel übernimmt die Torwacht.

    Souverän hält sie fast jeden Ring, der durch ihr Tor geschoben werden soll. So, als wäre es nichts besonderes hält sie dann das Objekt der Begierde, den Ring in ihrer Hand  und übergibt es abwechslend jedem männlichen Mitspieler ihrer Mannschaft für das weitere Spiel. Wird sie von ihnen zu sehr bedrängelt: "Ich will den Ring haben" antwortet sie "Nein, du hattest den Ring schon. Jetzt kriegt Paul den Ring, damit der nicht wieder heult".

    Mit der Kleinen kommt wieder etwas Ruhe in das Spiel, die kleinen Stiere kämpfen weiter tapfer um jeden Ring und jedes Tor....


     

    Eigendlich

    Eigendlich

    Eigendlich ist "eigendlich" immer ein Einschränkung, denn eigendlich wollte ich heut wieder über Kinder..Kinder schreiben. Ich wollte schreiben, wie die Vorschulklässler mir mit einem strahlenden Lächeln engegenliefen und mir ihre frisch entstandenen Zahnlücken zeigten.

    Wieder ein Milchzahn weniger, oben oder unten im Gebiß, sie waren stolz wie die Ritter auf ihre Zahnlücken.

    Ja, darüber wollte ich eigendlich heut schreiben, weil es so lustig war. Und wie kann ein Tag schöner enden, als mit einer lustigen Geschichte, die beim Niederschreiben noch einmal ein Schmunzel hervorruft.

    Aber dann endete der Tag doch noch einwenig anders.

    "22.00 Uhr, es klingelt an meiner Wohnungstür. Routinemäßig schicke ich meinen Sohn zur Tür, es sind sicher wieder seine Freunde. Etwas verkniffen schaue ich ihm in die Augen, gebe ihm damit ein Zeichen, dass es zu spät für Kumpelbesuche ist.

    Seine Freunde hatten ihn heut schon den ganzen Tag bestürmt und einen Bock auf Besuch hatte er zu dieser Stunde auch nicht mehr. Aber er geht zur Tür und schaut nach, mal sehen, wer da ist.

    Es tuschelt an der Tür. Sein kleiner Freund, 12 Jahre und meine Sohn, sie bereden etwas, was ich nicht verstehen kann. Dann werde ich zu den beiden gerufen. Der Kleine hat seinen Schulrucksack auf und fragt mich, ob er bei uns übernachten könnte.

    Ich frage ihn, warum er denn nicht zu Hause schlafen möchte. In einen gebrochenem Deutsch antwortet er mir."Mein Papa hat meine Mutter geschlagen" verstehe ich aus seinen Worten. "Meine Mama hat sagt, geh und schlaf bei Freunde und da bin ich gegangen. Meine Mama ist auch weggelaufen, bei Onkel. Aber da kann ich nicht mit."

    Ich bitte den Kleinen in die Wohnung und mein Sohn macht ihm sein Bett. "Hat dein Papa Stress und trinkt dein Papa auch mal was?" frage ich eher zurückhaltend nach. Der Kleine erzählt etwas von Stress und wenig Geld. "Immer wenn Papa von Casino kommt. Hat er was gewonnen, ist er ganz aufgeregt und hat er nichts gewonne, dann auch"

    "Casino" ist ein Schlüsselwort für mich und ich frage den Kleinen nicht mehr, was los ist.

    Er möchte bei uns nur übernachten und morgen zum Kindernotdienst gehen. Das ist einfach traurig für den Kleinen. Ich gebe ihm ein Bett.

    Weder Mutti noch Papa können ihren Sohn schützen.

    Der Kleine läuft verloren durch die neblige Novembernacht und das Kasino frißt seine Eltern auf .........

     

    Auswirkungen auf Einwirkungen

    Auswirkungen auf Einwirkungen

    Reflektionen sind die Spiegelbilder des Geschehens aus der Umwelt. Facettenartig strahle ich wie ein Spiegel die Wirkungen der Einwirkungen auf mich  an die Außenwelt wieder zurück. Die zahlreichen Facetten enthalten die Basis für den Spiegel.

    Alles mögliche ist in mir vorhanden, nicht alles gleich stark ausgeprägt, anderes verschüttet oder gar verdrängt und in die Ecke geschoben. Am liebsten würde ich die niederen Instikte aus mir eliminieren, sie von mir weisen, sie jemand anders in die Schuhe schieben oder unterjubeln. Aber das klappt nicht. Die niederen Instikt haften unreschüttelich schlummernd in ihren Nischen. Aber wehe dem, der sie weckt!!!!!

    "Ich fühle mich eingeengt, ich fühle mich bedrängt. Seit mir der neue Kollege an meine Seite gesetzt wurde, grollt es in mir. Wir unterhalten uns mit einem freundlichen Umgangston.   Wir begrüßen uns wie enge Freunde, lieblich und umarmend. 

    Umarmend? Oh, nein, ich werde umarmt und halte für die Zeit meine Arme gekreuzt vor die Brust. Die Arme schützen mich vor einen Einbruch in mein Herz.

     "Was will der Mann von mir?" schreit es in mir. "Er will dich nur ganz nett und freundlich begrüßen",  antwortet mein Verstand unmißverständlich. Er kann nichts anderes erkennen. "Aber es klebt etwas an seiner umarmenden Begrüßung" antwortet mein Gefühl widerspenstig. "Was du dir nur einbildest"antwortet wieder mein nüchtener Verstand und macht meinem Gefühl ein schlechtes Gewissen.

    Und doch läßt mein Herz die begrüßende Umarmung nur mit einem schweren Schutzschild grollend über sich ergehen. Aber schon nach wenigen Sekunden der an die Brust drückenden Umarmung erwacht mein Groll, der sich nicht mehr zur Ruhe legen will. Wo kommt der den her? Wo will er hin?

    Mein neuer Kollege sucht meinen Blickkontakt und lächelt mich mit Charm an. Ich kann ihn grade mal nicht in die Augen sehen,  bin mit meinem zuckenden Groll beschäftigt. Aber als freundlichen Mensch antworte ich mit einem durch die Zähne gequetschtem Lächeln und der Groll wächst von einem Baby zu einem Kleinkind heran, er braucht jetzt schon mehr Platz, als vor dem Lächeln.

    Was will der Groll? Wo will er hin? Noch kann ich ihn wie ein Kleinkind unter Kontrolle halten. So klemme ich ihn mir unter den Arme und stecke ihn in seine Nische wieder zurück. Mit einem Erziehungsfinger lege ich ihn nahe, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren.

    Mein neuer Kollege und ich, wir sind mehrmals die Woche auf einer längeren Autotour. Er und ich, in ein viel zu kleines Auto eingequetscht rasend über die Autobahn. Die Zeit ist lang, wir unterhalten uns harmlos über Gott und die Welt. Seine Hände am Lenkrad, sein Blick auf der Straße, kein Blickkontakt, keine herzlichen Begrüßungsumarmungen, ich entspanne mich.

    Das Gott-und-die-Welt-Gespäch ist durchwoben von klebrigen Komplimenten. Ich habe Mühe, den Leim nicht auf meinen Leib zu lassen und händeringend schiebe ich jeden Leimbatzen scheinheilg bescheiden wieder zurück.

    Der Leim erweckt meinen Groll aus seinem Kinderschlaf und holt ihn ungebremst aus seinem Traumland zurück. Noch verschlafen aber ungeleimt wächst er hochtourig und entwickelt sich zu einem tollkühnen Burschen im besten Flegelalter. Das Geschiebe von den Leimbatzen geht ihm auf die Nerven und er rebelliert, will dem Gegenüber eins auf die Nuß geben.

    "Das erlaube ich dir nicht!!" weise ich meinen Groll in die Schranken. Er ist nur noch schwer zu bändigen. Ich lasse ihn Atemübungen machen, atme ein paar mal tief durch. "Das war eine klare Drohung" gestehe ich mir ein, bin mir nicht mehr sicher, wie lange ich meinen Groll noch unter Kontrolle halten kann. Jungs im Flegelalter schießen gern mal über die Strenge und ich versuche tolerant zu meinem flegeligen Groll zu sein. "Die Tagestour ist ja bald beendet" beruhige ich ihn. Mit den Worten "Wir sind ja schon auf der Heimfahrt" buxiere ich ihn wieder in seine Nische zurück, aus der schon inzwischen schon längst herausgewachsen ist. So stopfe ich noch etwas nach und ersehne die Ankunft.

    Die Reise ist für heut beendet.. Der Wagen fährt vor meine Haustür. Ich sollte mich toll fühlen. Mein neuer Kollege fährt mich vor die Tür. Ich steige aus, mein Kollege auch. Strahlend kommt auf meine Seite und verabschiedet sich, wie er mich begrüßt hat. Strahlend, herzlich und umarmend. Mein Schutzschild fährt sogleich in die Höhe und der Groll ebenfalls. Seine Gereitztheit ist kaum noch zu bändigen und er wächst in wenigen Sekunden zu einem kräftig ausgewachsenen Mann heran. In dieser Größe werde ich ihn kaum noch in die Nische zurückschieben können.

    Dann werde ich aus der klebrigen Umarmung gelassen. Ich kann endlich durchatmen. Befreit laufe ich zu meiner Haustür und veraschiede mich mit einemfreundlichen Blick von meinem neuen Kollgen undschon bin ich im Hausflur verschwunden.

    So, der Tag heut wäre geschafft. An morgen mag ich noch nicht denken und tauche ab und falle in meine Sessel, ich entspanne mich. Kurze Zeit später klingelt das Telefon. Mein Kollege, er will noch eine Nachlese des Tages machen. Das ärgert meinen Groll, der sich jetzt schon ungehindert in meiner Wohnung bewegen kann. Ungeduldig setzt er sich neben mir auf die Sessellehne und tippt mir mit seine Fingern auf die Schulter. "Lege endlich den Hörer auf" befiehlt er mir. "Der will dich nur einseifen und dich seine Komplimente einwickeln" "Jaaaa" anworte ich meinem Groll und versuche das Gespräch freundlich zu beenden.

    Aber mein neuer Kollege ist ein erfahrener Vertreibler und glaubt, solange er redet hat er  die Situation in der Hand. Er irrt. Mein Groll hat sie in der Hand und der schwill weiter an. Schon aufgeplustert wie ein Kraftprotz bewegt er sich schwerfällig durch meine Wohnung. An ein versteciken in eine Nische ist gar nicht mehr zu denken. Nur schwere Kerkerketten können meinen Groll noch zügeln.

    Der Kollege verabschiedet sich, wünscht mir eine gute Nacht "Bis morgen dann" endet er. "Ja, bis morgen" antworte ich und weiß nicht, wie in den nächten Tag über die Runden bekommen soll. Mein zur Übergröße herangewachsene Groll läßt mich jetzt nicht mehr aus seinen Augen und begleiet mich wie ein Schatten.

    Er folgt mir ins Bad und ins Bett. Er kriecht sogar zu mir unter die Bettdecke und macht sich breit. Ich habe kaum noch Platz und kann die Nacht nicht schlafen. Das Engegefühl des Tages hat jetzt auch die Nacht erfaßt und treibt mir die Alpträume in die Stirn.

    Es klingelt. Mein Wecker reißt mich aus dem grade begonnenen Schlaf. Die Enge unter meiner Bettdecke hat mir die Nacht zum Tag gemacht. Erst in den frühen Morgenstunden schlief ich vor Erschöpfung. Der Groll quälte mich in der Nacht und überwucherte mein Bett. Ich öffne die Augen und sehe gleich die Bescherung. Der Groll ist in der Nacht zu einer ausgewachsenen Aggression mutiert. Ich kann das Monster nicht mehr regieren.

    Er läuft tobend durch meine Wohnung und sucht nach einer geeigneten Keule. Wo er sie auch immer gefunden hat, ich habe keine Ahnung, aber plötzlich steht der mutierte Groll mit einem Baseballschläger vor mir.

    Er ist fest entschlossen, es zu tun. Ich will ihn überreden und bitte ihn, sich wieder zurückzuziehen. Aber wohin? "Bin ich Aladin aus der Wunderlampe" fragt er mich. "Das wäre schön, dann könnte ich dich wieder in die Flasche verschwinden lassen, aus der du gekommen bist" antworte ich niedergeschlagen und habe keine Ahnung, wo ich mit dem Monster jetzt hin soll.

    In wenigen Minuten wird es an meiner Haustür klingeln und dann geht es wieder auf die Autobahn. Das Monster paßt auf keinen Fall in das Auto. Nicht einmal in Kofferaum würde es Platz finden. Ich stehe kurz vor einer Panik. Aber ich hoffe, kurz vor dem Eintreffen meines Kollegen, eine Lösung für das Monster zu finden. In einen Schrank? Meine Schränke sind zu klein und außerdem nur eine Panzertür hätte mein Monster die Tür nicht öffnen können.

    Ich bin am Ende, da klingelt es an meiner Wohnungstür. Jetzt gibt es kein zurück und in der Hoffnung, dass sich mein Monster wie ein Flaschengeist in Nebel aufgelöst hat, öffne ich die Tür. Mein Kollege betritt die Wohnung und ich bin erleichtert. Mein Monster bleibt ganz friedlich. Es steht in der Ecke mit einem Baseballschläger in der Hand und sieht ganz gelassen zu.

    Mit einem strahlenden Lächeln werde ich von meinem Kollegen begrüßt und dann weitet er seine Arme aus und schon umschlingen sie mich. Mein Monster hebt ebenfalls die Arme und schlägt zu. Ohne ein Wimpernzucken zieht er meinem Kollegen eins über die Birne und er sackt vor mir auf die Knie. Sein lächeln verschwindet unter seinem Schmerzschrei.

    Vielleicht hätte ich ihn warnen sollen, hätte ihn sagen sollen, das sich seit der letzten Nacht ein gefährliches Monster nicht mehr von meiner Seite weicht.........

     

    Die Wanderin

    Die Wanderin

    Sie ist klein, die Wanderin. Mit großen freundlichen und neugierigen Augen schaut sie sich mit ungebrochener Begeisterung die Welt an. Sie sieht lustig aus, mit dem Wanderhut. Er soll sie schützen vor der starken Sonne und Unwetter. In ihren Rucksack sind Erfahrungen und Menschenkenntnis.

     

    An vielem ist schon vorbeigezogen. An freundlichen Menschen, denen sie mit einem freundlichen Lächeln antwortete. An wunderschönen Plätzen, die sie romantisch gestimmten. Dort lies sie sich für eine Weile nieder. Aber auch viele schwierige Wege hat sie beschritten. Halsbrecherische Pfade, unwegsame Gelände,  moorastigen Boden, plötzlich einbrechende Unwetter lernte sie kennen.

     

    Ab und zu gesellte sich ein Reisebegleiter sich zu ihr. Unterhaltung war immer eine willkommene Abwechslung. Die Wege trennten sich dann irgendwann, weil die Reiseziele unterschiedlich waren. Der letzte Reisebegleiter war lange mit ihr auf Wanderschaft. Aber er war nicht allein. In seinem Rucksack der von ihm heiß geliebter Freund Alkohol. Er hatte ihm ja das Glück versprochen. Jedoch war dies ein falscher Freund. Verlangte einen hohen Tribut. Hatte ihn gezwungen, urplötzlich den gemeinsamen Wanderweg verlassen und er musste ohne Abschied die Wanderin  verlassen. Die Wanderin ist heut noch traurig, denn er war ein geistvoller und liebevoller Wanderbegleiter.

     

    Nun ist sie wieder allein ihre Weg. Noch kraftlos und mit Schwermut in Herzen schlägt sie sich  durch die Welt. Sie ist durch den fehlenden Wanderbegleiter zwar etwas dunkler geworden, aber sie findet wieder auf den sicheren Weg zurück.

     

    An vielen Menschen zieht sie wieder vorbei, erfreut sich wieder an ihren Lachen, auch an ihren kleine Macken und Schwächen. Sie ist jeden dankbar, der sie von Herzen zu lachen bringt. Sie findet wieder zu ihrer alten Kraft zurück.

     

    Dann gesellt sich wieder ein Reisebegleiter zu ihr. Er scheint die kleine Wanderin unterhaltsam zu finden, denn er weicht nun nicht von ihrer Seite. Sie sind nun so im Gespräch vertieft, das sie gar nicht bemerkt, das sie ausschließlich ihm gefolgt und sich nun auf seinem Pfad befindet. Aber der neue Reisebegleiter hat ihr Vertrauen und sie ist neugierig geworden, was es hier zu sehen gibt. Dabei kommen sie sich immer näher, bis zu einer intensiven, innigen Umarmung.

     

    Jetzt erst schaut sie sich um. Wo ist sie? Plötzlich ist alles hell geworden, woher kommt das viele Licht? An welchen Ort ist sie?  Er konnte sie ent- und verführen, ohne das sie es bemerkte.

     

    Sie erkennt eine kleine Insel. Sie ist noch kahl, keine Blumen, kein Strauch, keine Tiere. Aber das starke Licht, es blendet sie fast. Und was ist das?  Der Boden unter ihren Füßen beginnt sich ganz leicht zu bewegen. Sie schaut auf den Boden. Ein kleine Pflanze durchbricht die Erde  und ein kleiner zarter Keim hat sich seinen Weg ans Licht gesucht.

     

    Auf dieser kleinen Insel ist der Frühling eingezogen. Hat nun zwei Bewohner, die Wanderin und ihr Reisebegleiter und eine erste Grünpflanze. Sie ist noch klein und zerbrechlich, aber die Pflege der beiden wird sie wachsen lassen, bis die ersten Knospen ansetzen und im Sommer wird sich die erste schöne Blüte zeigen. Beide freuen sich darauf und sind neugierig, wie diese Blüte ausschauen wird.

     

    Sie unterhalten sich und tauschen dabei weiter verliebte Blicke aus. Der Himmel ist wolkenlos und die Sonne erwärmt die Erde. Und schon kommen die ersten Schmetterlinge, fliegen um die Pflanze und landen in den Bäuchen. Noch hat sich die Blüte nicht geöffnet und sie müssen noch warten, bis sie sich auf der Blüte ausruhen können.

     

    Aber was ist das? Voller Sorge schaut die Wanderin auf den Himmel. Ganz weit am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, ganz klein , aber sie werden zusehends größer, es wird bedrückend.

     

    Ach, was soll das schon sein, beruhigt sich die Wanderin. Ein Frühlingsregen wird kommen. Etwas heftig, aber wir sind ja nicht aus Zucker. Der Hut wird sie schützen und die Pflanze ist kräftig genug, kann einen Platzregen bestimmt schon vertragen, ist Rucksack ist voller Erfahrungen. Wie aber schützt sich ihr neuer Reisebegleiter? Sie weiß es nicht.

     

    Die Wolken haben nun schon die ganze Insel überdeckt, sie dunkel gemacht. Das Unwetter bricht aus. Kein heftiger erfrischender Frühlingsregen, nein klirrende Kälte breitet sich aus. Alles um sie herum versinkt plötzlich in Schnee und Eis. Nun kommt auch noch ein starker Sturm auf.

     

    Die Wanderin ist klein, versucht sich mühevoll zu halten, aber sie findet einfach keinen Halt. Der Sturm reißt sie zu Boden. Nur noch mit Mühe kann sie sich wieder aufrichten. Aber es gibt hier ja nichts zum halten, wie sie es gewohnt ist, in der freien Natur. Es sind noch keine Bäume da, in deren schützenden Windschatten sie sich stellen kann. Und die Pflanze ist noch zu klein.

     

    Aber doch, der Reisebegleiter ist ja noch da. Wenn beide sich festhalten, können sie dem Kältesturm standhalten, sich gegenseitig Wärme spenden, bis sich der Sturm gelegt hat.

     

    Ihre Augen suchen nach ihm und schließlich sieht sie ihn im dichten Schneetreiben. Gegen den Sturm gelehnt kämpft sie sich zu ihm durch. Er kennt die Insel, es ist ja seine Insel, kennt die schwierigen Wetterlagen, weiß bestimmt, was zu tun ist.

     

    Ihre Hände greifen nach ihm. Aber die noch warmen Hände erfrieren an dem Eispanzer, der sich um ihn gelegt hat. Die Hilferufe erreichen ihn nicht mehr, prallen an dem Eispanzer ab. Sie sieht in seine Augen, sie sind wie hinter Glas. Immer wieder versucht sie den Panzer zu durchbrechen, aber er ist schon zu dick geworden, undurchdringlich.

     

    Jetzt ist sie noch mehr von der Kälter erfasst, schaut schnell im ihrem Rucksack nach, aber keine Wintersachen drin. Warum sollte sie auch welche bei sich haben, war doch eben erst Frühling. Um nicht zu erfrieren, muss sie sich bewegen, muss sie laufen. darf nicht weinen, sich nicht aufgeben. Sie möchte schreien, aber jeder Ton erfriert in der Kälte.

     

    Die Insel, ja, die Insel verlassen, das wäre die Rettung, aber sie findet keine Brücke mehr da. Wo ist sie? Der Sturm riss die Brücke weg und sie, sie  kann nicht schwimmen. Nun ist sie auf der Insel gefangen, mit einem Mann aus Eis. Und die kleine Pflanze, wie geht es ihr? Oh, auch sie hat schon gelitten. Viele Blätter sind schon erfroren. Die Wanderin wirft ihren Hut darüber. Wenigsten soll die kleine Pflanze geschützt vor der klirrenden Kälte werden.

     

    Weiter schaut sie sich Hilfe suchend um, der Mann aus Eis ist nun zu einer Säule erstarrt. Sie friert unendlich bei dem Anblick.

     

    Aber da, ganz weit hinten auf dem Wasser sieht sie ein Boot. Das Boot steuert auf die Insel zu.  Der fremde Bootsführer hat die Hilferufe gehört und ist gleich zur Insel gekommen. Völlig erschöpft steigt sie in das Boot ein. Er will sie zurückbringen in wärme Gebiete.

     

    Auf der Rückreise dreht sie sich noch mal um, wirft sie noch einen letzten traurigen Blick auf die Insel, die Insel, die nun völlig aus Eis ist. Sieht im Abendlicht die erstarrte Silhouette des Eismanns und den Hut, den sie schützend über die Pflanze geworfen hat.

     

    Vielleicht hat die Pflanze dadurch eine Chance, die klirrende Kälte zu überstehen und beim nächsten Frühling kann sie dann vielleicht wieder zu neuen Leben erwachen.... 

     

     

     

     

     

     

    Nachtrag:

    Der Reisebegleiter konnte seinen Eispanzer nicht mehr durchbrechen, die Pflanze erfrohr noch in dem Sommer. Die Insel sah ich nie wieder und das Boot verlies ich erst nach 2 Jahren....



     

    Traurig und 1000fach wahr

    Traurig und 1000fach wahr
    Das Wetter war konspirativ, grau und verregnet. Wie sollte es anders sein, wenn man auf den Friedhof geht.  Er hätte darauf bestimmt einen Spruch gewusste, aber er ist nun nicht mehr da.

    Betäubt nahm ich die Nachricht von seiner Mutter auf.  Während ich auf Arbeit war, rief sie mich an. Das taten sie öfter. Mein Sohn ist sein Sohn und so gab es wegen des einzigen Enkelsohn hier und da immer etwas besprechen. Diesmal sagte sie mir mit ganz ruhiger Stimme. „Wir haben eine schlimme Nacht gehabt“ und ich nahm an, sie hätte wie schon so oft, unter einem starken Asthmaanfall gelitten. Ihre Nachricht wurde beendet mit den Worten „Er ist gestorben“. Gestorben?  Gestorben ?  was soll das. Er ist 41 Jahre und kann nicht sterben ! „Er ist gestorben“ es klang wie eine unrealistische Botschaft aus dem Jenseits. Sie war aber wahr.Dann stand ich das erste Mal vor seinem Grab. War es überhaupt ein Grab? Ich kenne nur die Dorfriedhöfe mit ihren großen Flächen, großen Grabsteinen und den vielen Koniferen. Aber was war das? Eine klitze kleine Fläche, ein Grabstein und darauf stand der Name des Vaters. Ein paar Osterglocken standen in der Vase und ich tat meine Rose dazu. Rosen, die er mir früher schenkte, jetzt bringe ich sie ihm wieder zurück. Wie konnte ein Mann wie er in dieses kleine Loch passen? Er war doch fast 1.90 groß. Mit dem Erstaunen kam dann meine Wut hoch, eine unvorstellbare Wut. Wo war meine pflichtgemäße Trauer? Ich spürte nur die Wut über seinen sinnlosen Tot.

    „ Der Kampf gegen eine Übermacht

    O.,  O.,  O.  warum nur. Du hast nicht auf mich gehört. Niemand hat auf mich gehört. Dein Alkoholismus, er war schon lebensbedrohlich geworden und nicht nur für dich. Delirien gab es schon, ich habe einige miterlebt. Die Angst, die ich damals hatte, war unterdrückte Panik. Du solltest zum Arzt gehen, aber es war nur ein psychologisches Gespräch die Woche auf dem Plan. Mehr nicht, ich wusste es, es war zu wenig. Aber niemand glaubte mir. Am wenigsten du selbst. Mit feindlichen Augen hast du mich angesehen, wenn ich dich nach deinem Alkoholkonsum fragte. Nun bist du nicht mehr, das hast du davon....nein, so kann ich nicht denken, aber ich war zu anderen Gedanken nicht in der Lage. Zu stark war noch die innere Abwehr, über diese Tatsache, das du dort liegen solltest. Ich stand vor deinem Grab, verloren auf dem großen Friedhof. Verloren deshalb, weil wir beide verloren hatten. Wir hatten 3 Jahre zuvor gekämpft, wir wollten ihn gemeinsam besiegen, den Alkohol. Wir kannten nicht die Kraft und die Wucht, die dahinter steckt. Der Sog war so groß, zu übermächtig der Druck. Ohne ärztlich Hilfe  konnten wir ihn nie besiegen konnten. Und genau das wolltest du nicht. Du wolltest keinen Arzt. Nein, es war bisher zwar der größte und wichtigste Schritt getan „ich bin Alkoholiker“ sich dies einzugestehen, aber der Schritt allein reichte nicht mehr aus. Ich stand hilfloser denn je dem gegenüber: Die Anfälle durch die Rückfälle nahmen zu. Ich hatte sogar Todesangst, denn ich wusste nicht, ob er im volltrunkenen Zustand noch bei Bewusstsein war, oder er schon in die Schattenwelt des Deliriums hinüber glitt. In solchen Fällen suchte er immer alle dunklen Stellen ab, weil er glaubte, der Tot hätte sich da versteckt. Das er ihm tatsächlich schon so nahe im Nacken stand, ahnte niemand von uns. Obwohl ich meiner Tochter kurz vorher sagte „wenn Er so weiter säuft, dann ist er bald tot“ glaubte ich selber nicht daran.

    Die Trennung

    Die Situation  immer unerträglicher und ich bekam nun schon Angst von ihm. Der gutmütigste Mensch, den ich kannte, bekam nun schon mal ab und zu bösartige Züge. Ich befürchtete ein Drama. Das Delirium suggerierte ihm lebensbedrohliche Erscheinungen, zu schnell konnte sich in seinem Bewusstsein, stark durch Alkohol getrübt, mein Erscheinungsbild in eine für ihn wahrgenommene Lebensbedrohung darstellen. Er wehrt sich gegenfiktive Monster  und erkennt nicht, dass er dabei mich angreift. Am letzten Tag, an dem ich ihn in meiner Wohnung sah, war er kurz vor der Volltrunkenheit, der Körper in kürzester Zeit voll Alkohol gepumpt. Er musste dies tun, ich hätte ihm die Flasche sonst weggenommen. Das musste er vermeiden, und so trank er schätzungsweise eine ganze Flasche sehr in 20 Minuten. Das bedrohliche Delirium war zu erwarten. Ich verließ so schnell wie möglich meine Wohnung, um nicht zu sagen, ich geflüchtete. Im letzten Moment sah ich seine Schlüssel am Schlüsselbrett und nahm sie mit. Er war lahm gelegt. Er konnte die Wohnung nicht mehr verlassen, ohne  sich selber auszusperren. Das Telefon konnte ich Gott sei dank nächsten Tag von einer Bekannten bei der Telekom abschalten lassen. Er konnte selber nicht mehr anrufen, sondern nur noch angerufen werden. Ich behandelte ihn wie einen Verbrecher, das tat mir weh.. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Nach einer Woche musste er zwangsläufig die Wohnung räumen, denn es gab nichts mehr zu essen und was noch schlimmer für ihn war, nichts mehr zu trinken. Geld besaß er, so weit ich weiß, keins mehr. Eines Tages verließ er meine Wohnung und ich konnte mich mit meinem und seinem Sohn hier zurückziehen. Eines abends war ein schauriges Klopfen an meiner Tür. Ganz leise und unheimlich.  Dieses Klopfen erinnerte mich an frühere Berührungen. Wenn er wie eine verlorene Seele von seiner Arbeit kam, er arbeitet als Selbstständiger auf dem Markt. Ich öffnete die Tür und lies ihn herein. Schon an der Tür spürte ich die Aura, von der er umgeben war. Wie durch Wand sah ich ihn. Er versuchte mich zu streicheln. Wie von einer Tarantel gestochen sprang ich aus seiner Reichweite. Vor meinem inneren Auge sah ich gespenstisch, wie eine Hand im Moor zu sehen ist. Diese von Moorschlamm beschmutzte Hand will mich berühren, sich an mir festhalten, sie wird mich aber in die Tiefe ziehen. Die Person, die an der Hand hängt, ist schon zu tief drin. Ich fühle mich schaurig  und werde bissig.  Nur über diese Bissigkeit gelingt es mir, ihn aus meiner Wohnung zu bekommen. Ging er dann, fühlte ich mich erst erleichtert, danach fühle ich mich äußerst schlecht und ein schlechte Gewissen stellte sich anschließend ein. Auch an diesem Abend wusste ich, an der Art und Weise, wie es klopfte, es war Er. Die Hand aus dem Moor. Ich konnte und wollte ihn nicht mehr hereinlassen. Ich hatte furchtbare Angst, denn ich wusste nicht, wie tief er diesmal im Moor versunken war. Das Klopfen lies nicht nach, wenn ich nicht unternehme, dauert es die ganze Nacht. Sein Sohn schlief zwar noch, aber außer meine Angst wollte ich auf jeden Fall eine traurige Szene  ersparen, die er dann miterlebt hätte.  Also nahm ich meinen Mut zusammen, ich rief die Polizei. Die erschienen auch bald. Als Er die Polizei kommen sah, verzog er sich wie ein Hund. Ja, es ist der richtige Ausdruck. Wie ein räudiger Hund. Mir tat das entsetzlich weh, ihn so zu sehen. Wie schäbig kam ich mir vor. Was hat der Alkohol aus uns, aus mir und nun auch aus ihm gemacht.. Aber ich durfte kein Mitleid haben und kein Wort mehr mit ihm reden. Die Gespräche gaben ihm immer wieder neuen Zugang zu mir. Über diesen Kanal wäre er vielleicht in der Lage gewesen, mich um zu stimmen. Diesen Kanal durfte ich ihm auf keinen Fall zur Verfügung stellen. Ich sperrte ihn für immer. Deshalb konnte er nicht wissen, warum ich ihn konsequent mied. Auch wenn er im nüchternden Zustand gewesen wäre, ich hätte in einem schwachen Moment nachgegeben und ihn wieder in meine Wohnung gelassen. Eine eigene hatte er nicht mehr. Er lebte bei seiner Mutter, zu der er wie ein gestraucheltes Kind  nach fast vierzig Jahren wie in die Kinderzeit zurück fiel. Sah er mich mal in der Stadt oder Straßenbahn, dann kam er gleich zu mir, er wollte mit mir reden. Ich blockte konsequent den Zugang zu mir ab. Auf meine Frage nach dem Alkohol sah er mich feindselig an, ich wusste, es hat sich nichts getan. Sein Kopf hat die Krankheit Alkoholismus noch nicht angenommen.  Bei der nächsten Gelegenheit stieg ich aus der Bahn. Mit einem unendlich traurigen Hundeblick sah er mir nach, als sich unserer ein letztes mal trafen, ging mir das durch  Mark und Bein. Diesen hilflos traurig blickenden Hundblick konnte ich auf Stunden nicht los werden. Er hatte versucht, mich zu erweichen. Er wollte  mein Mitleid und ich durfte es ihm nicht geben. Bekam er mein Mitleid, dann hätte der Katzenjammer wieder von vorne angefangen. Meine ganze Kraft brachte ich auf,  um dem Wunsch ihm  aus Mitleid nicht nachzugeben und wir wieder mit ihm so wie früher zu sprechen. Unsere Gespräche waren früher immer voller Geist. Niemand kannte mich so gut wie er, niemand wusste so gut mit mir umzugehen wie er. Das änderte sich, je mehr der Alkohol Besitz von ihm nahm. Wenn Er nüchtern war, dann war der dieser Druck besonders groß, ihm nachzugeben. Zu gern hätte ich die alten Zeiten wieder gehabt Aber ich wusste, er trug unseren Feind einer gesunden Beziehung in sich herum und er behütete ihn wie seinen Augapfel.Niemand sollte ihn sein liebstes nehmen, auch ich nicht. Niemand duldete er zwischen sich und seinem Glücksbringer, man könnte es als eine heiß geliebte Geliebte bezeichnen, dem Alkohol. Meine Unnachgiebigkeit sollte ihn aufwache und ihn zur Vernunft kommen lassen, sich sozusagen „trockenlegen“ Bis zu seinem Tod bekam er keinen Zugang mehr zu mir.. Er ist gestorben, ohne zu wissen, warum ich dies tat. Jetzt ist es zu spät, jetzt kann ich es ihm nicht mal mehr wissen lassen. Auch das hat uns der Alkohol genommen, eine menschenwürdige Verabschiedung. Wir konnten nicht mehr miteinander reden und er starb ohne ein freundliches Wort von mirEtwas gab mir Trost. Als ich vor dem Grab stand, es war eine unbeschreibliche Ruhe. Eine Ruhe, die auf Friedhöfen zwar üblich ist, aber diese Ruhe war noch etwas anders. Er hatte wieder seinen Frieden gefunden. In seinen letzten Jahren wurde er immer mehr von Alkohol gehetzt  und endlich war die Hetzjagd für ihn vorbei. Und es gab noch einen weiteren Grund. Er konnte ohne seinen Vater nicht leben und nicht streben. Also wurde er im Leben immer mehr zum Zombie, für mich ein lebender Toter. Die Worte die er im Suff sagte „Ich muß die Mission meines Vaters erfüllen“, bestätigte er im nüchternden Zustand. Sein Vater verstarb an derselben Krankheit. Was auch immer damit gemeint war, er klärte mich darüber nie auf, sondern nickte bei vieler meiner Nachfragen geheimnisvoll. Ich wusste es jetzt, er hatte diese Mission erfüllt, er war zu seinem in Leben vermissten Vater zurückgekehrt. Beide haben sie jetzt ihren Frieden gefunden. Schlimm ist diese Tragik „nur“ für die Hinterbliebenen. Seine Mutter, sein Bruder und Sein Sohn.  Sie müssen jetzt damit leben, dass sie keinen Sohn, keinen Bruder und keinen Vater mehr haben. Ach warum nur, dein sinnloser Tot. Was hättest du noch alles mit deinem Sohn anstellen können. Wie viele seiner Fragen an seinen Vater  werden für ihn nun unbeantwortet bleiben. Wo soll er sich die so wichtigen Tipps wegen der Mädles holen über die ihr euch schon unterhalten habt. Alles was du konntest wolltest du  einmal deinem Sohn beibringen. Nun ist daraus nichts mehr geworden.Das Glück aus der Flasche wird immer mit den höchsten Preis bezahlt, mit dem absoluten Verlust des Lebens. Der Schnaps lässt sich mit barem Leben bezahlen und verspricht dafür das  Glück. Jetzt liegt er nun hier, in der eisigen Kälte, seine Träume und sein Körper nicht größer eine Handvoll Staub. geworden. Sein großer kräftiger Körper, mit der dichten Körperbehaarung außer ein paar unbewegliche Bilder gibt es nichts mehr von ihm.. alles zu Staub und Asche.....
     

    Verdammt

    Verdammt

    Verdammt.. verdammt...verdammt..

     

    Seit Tagen quält es mich, liegt wie ein dumpfer Stein auf meiner Seele.

     

    Ich gehe von einer Ecke zur anderen  und wenn ich denke, ich habe es überstanden, dann kommt ein neuer Schub, ein innerer Aufschrei, dass eher wie ein lautes jämmerliches Weinen klingt.

     

    Dann verschwindet für einen Moment der Druck und ich denke: „Jetzt habe ich es geschafft“ und amte noch einmal tief durch um meinen Lungen zu erfrischen. Ein neuer Schub kommt.

     

    Aber was will ich schaffen?

    Warum werde ich damit nicht so fertig, wie mit anderen Dingen?

     

    Es ist etwas zurückgeblieben, es oder er hat etwas zurückgelassen und es beginnt in mir ein EigenLeben, immer wieder von neuem.

     

    Die ersten Zeichen waren zu spüren, als ich meine Widmung in das Kondolenzbuch schrieb. Im Moment des Eintragens fühlten sich meine düsteren Vorahnungen bestätigt und sofort begann in mir sein zurückgelassenes Leben eine neue Lebendigkeit anzunehmen.

     

    Sie hat in ihren Kern eine tiefe Verzweiflung, die in eine Clownerie eingeschalt wurde. Diese Verschalung läßt die Verzweiflung nicht nach außen dringen, obwohl sie schon maßlos gedrückt hat.

     

    Jeder Tiefschlag brachte die Verschalung mehr auf Spannung, weil die Verzweiflung zunahm....

     

    „VERDAMMT...warum???

    WARUM ich????

    Warum muss mich so schwer treffen?

    warum muss ich jetzt schon gehen?

    Ich habe doch noch so viel vor!

    Ich will so vieles noch erleben!

    Ich will so vieles noch schaffen!

     

    VERDAMMT WARUM ICH?

     

    Ich will für viele der Clown sein, ich will sie zum lachen bringen, ich will sie glücklich machen, ich will sie liebend machen.

     

    VERDAMMT warum?

    WARUM muss ich jetzt schon gehen??????

     

    Es kann mich jeden Tag treffen,

     jeder Tag ist

    ein neuer Kampf gegen meine Verzweiflung,

    ein neuer Kampf gegen meine Krankheit,

    gegen meine tödliche Krankeit,

    ich kämpfe gegen den Tod,

    ich kämpfe täglich für das Leben.

     

    Und trotzdem, die Ebene unter mir ist schief, wird jeden Tag schiefer, jeden Tag merke ich, dass sie sich wieder ein paar Millimeter unter meinen Füßen anhebt, wie lange wird es dauern, bis ich mich auf der Ebene nicht mehr halten kann?

     

    Warum und wann rutsche ich für immer in die Tiefe?

     

    Ich will noch nicht in die Tiefe!!

     

    VERDAMMT, mach etwas GOTT, tue etwas, aber lasse mich noch nicht abwärtsrutschen!!

     

    Ich habe bald keine Halt mehr. Meine Arme sind schon schwach, sie sind entkräftet, können mir nicht mehr helfen, meine Knie sind weich von Gegenhalten.

     

    Täglich muss ich das größer werdende Gefälle neu ausbalancieren.

     

    So wird jeder Tag für mich ein neuer Balanceakt und kostet täglich neue Kraft. Sie ist bald verbraucht.

     

    Ich habe mal sehr viel Kraft und Energie gehabt, konnte sie nach allen Seiten ausströmen lassen, ohne selber Energie einzubüßen.

     

    Aber dann!!!

    Dann kam die innere Angst, die Angst, dass die Kraft einmal versiegen wird. Ich verstecke meine Angst hinter der Verschalung des Clouwn´s und zeige darüber das Lachen, die Freude und das Leben.

     

    Ja, das Leben ist so süß, ich will mehr davon. Ich will den Tag, jeden Tag bis zur Neige austrinken. Er ist wie süßer Nektar. Und ich trinke, trinke in großen  Zügen, die Verschalung wächst, der innere Druck der Angst, dass der Brunnen des süßen Lebens eines Tages versiegen wird, wächst ebenfalls.

     

    Eine Spannung in Herzen, die Lebenslust und die Angst, ein ungleiches Paar. Sie wollen sich einfach nicht vertragen, sie beißen sich.

     

    Die Angst will die Lebenslust nicht auswuchern lassen, überschattet sie einfach, will sie klein halten.

    Die Lebenslust lässt sich das nicht gefallen,  wehrt sich dagegen und kämpft gegen die Überschattung der Angst. Sie will sich nicht einschüchtern lassen. So kurbelt sich die Lebenslust täglich auf´s neue an und berauscht sich an dem süßen Nektar, den das Leben zu bieten hat.

     

    Die Paarung, Lebenslust und Angst, sie will einfach nicht glücken.

     

    VERDAMMT, warum vertragen sie sich nicht, warum arbeiten sie gegeneinander.

     

    Die Lebenslust sagt: „Ich will noch mehr, ich will mehr, gibt mir mehr“.

    Dann antwortet die Angst: „Der Brunnen der Lebenslust wird eines Tages versiegen, teile ihn dir ein, dann hast du auch später noch etwas davon“. So macht die Angst der Lebenslust das Leben schwer.

     

    Die Angst lässt der Lebenslust seinen Lauf und arbeitet aber weiter im Untergrund. Sie nagt an der Basis des Lebens, am Kern. Sie sucht sich lebenswichtiges Organ, so schwächt sie den Körper.

     

    Damit setzt sie ihren Willen durch und bremst die Lebenslust, die ungebremst leben wollte.