… gab es einen? Nein, leider keinen richtigen, großen. Nur kleinere. Zum Beispiel.: Ein schwuler Herr in Chaps – mit Zellulitis! Meine Herren, ich bitte Sie! Der Anblick blieb mir persönlich göttinseidank erspart, Informantinnen trugen mir das zu, aber wie auch immer: Gibt’s da nicht was von Ratiopharm oder von Nivea, auch für den Herrn? Unsereins, wo die Haut ab 35 ja auch nicht überall mehr so pfirsichstraff sitzt, bedeckt die Problemzon(en) wenigstens züchtig. Vielleicht sollte der Abseitz-Verein eine Bauch-Beine-Po-Gruppe „Men only“ aufmachen? Wir leben schließlich im Jahrhundert der Gleichberechtigung!
Ihr seht schon, meine Lieben, außer den christlichen Taliban am Marienplatz, dem fehlenden Grußwort der Regierung zum CSD und einem ganz entsetzlich grauenhaften Musikprogramm auf der Marktplatzbühne gibt es gar nicht wirklich Skandalöses zu berichten. Wenn man mal davon absieht, dass ich an beiden Tagen nüchtern war (das Alter?!). Aber eine Sache erregte meine Aufmerksamkeit und meine Irritation: Horden, ja HORDEN, von heterosexuellen Jungesell(inn)enverabschiedlern. Ich zählte fast zehn verschiedenuniformierte Gruppen. Was tun die auf der Schwulenhocketse? Haben die den Henkersplatz nicht gefunden? Oder suchten die den Extrakick? Eigentlich ist mir das ja Wurst, wenn die Peripherie-Stuttgarter sich unters Regenbogenvolk mischen, um den letzten Tag in Freiheit eines ihrer Gruppentiere zu feiern. Aber wenn sie dann anfangen schwulenfeindlich zu pöbeln (das rosa Mannerschnittenfräulein geriet in ihre Schusslinie), dann finde ich das – ja genau – skandalös! Ob sie auf einem rechtsradikalen Dorffest auch so fesch die Gosche aufreißen würden, wenn ihnen der Kleidungsstil oder der „Lifestyle“ eines Festteilnehmers nicht passt? Ich hab da meine Zweifel.
Ansonsten aber war es einfach mal wieder richtig schön: Alte Freunde getroffen, neue Freunde getroffen, hier einen Plausch und dort einen Schwatz und viel zu Gucken gab’s auch – da hätt ich fast vergessen können, dass dear Mrs Lesbian mich heuer allein gelassen hat beim fröhlichen Fest der „Family“, sie weilt in Barcelona und hat einen triumphalen sportlichen Sieg bei den Eurogames errungen, weniger Medaillentechnisch als persönlich. Nächstes Jahr CSD dann hoffentlich wieder mit der lieben Gattin – und mit der Hoffnung auf neue Geschichten und Skandale im Sperrbezirk.