*Theorie
Glücklich*Geständniss
*Schüler treten auf die Bremse

Vom Johanneum aus startet eine Gruppe von mehreren hundert Gymnasiasten einen Protestzug durch die Stadt. Foto: be
Schüler treten auf die Bremse
Protest gegen die Bildungspolitik - Lerntempo durch Turbo-Abi "viel zu hoch"
ahe Lüneburg. Matthias Orlikowski ist zufrieden: "Ich glaub', das sind mehr als die 1500, die wir erwartet hatten", sagt er beim Blick auf die Masse. Recht hat er, die Polizei spricht von 2500 Schülern, die in der Lüneburger Innenstadt gegen die Bildungspolitik in Niedersachsen protestieren. "Cool" findet das Matthias, der den Demonstrationszug vom Johanneum zum Marktplatz sowie die Kundgebungen vor dem Rathaus und an der Landesschulbehörde angemeldet hat. Der Gymnasiast vom Johanneum glaubt: "Die Leute sind froh, dass sie mal raus können, um ihre Meinung zu sagen."
Gemeinsam mit dem Stadtschülerrat, den Schülervertretern der Herderschule, der Wilhelm-Raabe-Schule, des Gymnasiums Oedeme und des Bernhard-Riemann-Gymnasiums in Scharnebeck hatten Orlikowski und seine Mitstreiter vom Johanneum den Protest organisiert. Das Motto des kollektiven Schulstreiks: "Nicht mit uns! Raus auf die Straße - für eine lebenswerte Schule.
Der Unmut ist groß an den Schulen, vor allem an den Gymnasien, wo die Verkürzung der Schulzeit bei gleichbleibenden Lerninhalten für viele das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Durch den übervollen Stundenplan und den zunehmenden Druck, weil sie dasselbe lernen sollen wie ihre Vorgänger, dafür aber ein Jahr weniger Zeit haben, hätten die Schüler kaum mehr Freizeit. Dazu die Kürzung der Lernmittelfreiheit, immer größere Klassen, fehlende Lehrer, die Einführung von Studiengebühren - all das hat dazu geführt, dass die Schüler zum Protest aufriefen. Leonard Wolckenhaar von der Wilhelm-Raabe-Schule sieht Lüneburg in einer Vorreiterrolle: "Wir hoffen, dass von hier eine Protestbewegung ausgeht."
Vorausgegangen waren eine Menge Gespräche und viel Organisation. Die gewaltige Resonanz überrascht die Initiatoren letztlich selbst. "Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt", freut sich Matthias Orlikowski.
Mit einigen hundert Mitschülern startet er am Morgen am Johanneum zu einem Protestmarsch Richtung Innenstadt. Die Schüler tragen Sticker mit der Aufschrift "Gib G8 keine Chance" - gemeint ist das achtjährige Gymnasium - und Plakate mit markigen Sprüchen wie "Ihr könnt uns alle mal . . . den Stundenplan kürzen" oder - bewusst falsch geschrieben - "Wir prauchn kaine Leera - wia sind schohn selpa schlauh!".
Auf ihrer Route legen sie auch kurzzeitig den Verkehr auf dem Stadtring lahm. Am Berge warten bereits hunderte Raabe-Schüler, am Marktplatz ebensoviele Herderschüler, die Scharnebecker Gymnasiasten stoßen wenig später hinzu. Doch auch Haupt- und Realschüler, Berufsschüler, Studenten und Eltern kommen zur Kundgebung vor dem Rathaus.
Dort machen Matthias Orlikowski und Leyla Krause von der Herderschule noch einmal deutlich, warum sie an diesem Tag streiken. "Was wir Montag lernen, haben wir Dienstag schon wieder vergessen", nennt die Herderschülerin eine Auswirkung des neuen Lerntempos.
Dann ziehen die Schüler weiter zur Landesschulbehörde, übergeben bei der zweiten Kundgebung dort Unterschriftenlisten, auf denen die Schüler ihren Protest gegen die Bildungspolitik schriftlich festgehalten haben. Christiane Scholl, stellvertretende Leiterin der Behörde, zeigt sich beeindruckt von der Masse der Teilnehmer: "Eure Anzahl hier macht deutlich, dass Bildung derzeit das Mega-Thema ist." Eine Stellungnahme zur Bildungspolitik will sie nicht abgeben, sagt aber zu: "Selbstverständlich werde ich die Listen ans Kultusministerium weitergeben - noch heute."
Lob für die Aktion der Schüler spendet Fritz Hullen vom Landeselternrat: "2500 Schüler oder mehr - das muss man erstmal auf die Beine stellen. Danke, dass Ihr hier demonstriert. Bei der Vorbereitung für das G 8 haben wir alle ein wenig vergessen, dass Ihr Schüler die Schule seid. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Ihr wieder gerne zur Schule geht. Diese Demo ist dafür ein Ansporn." Unterstützung auf ganzer Linie sagen auch Walter Dieckmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie Caspar Heybl, studentischer Senator der Universität, zu.
Nun hoffen Matthias Orlikowski und seine Mitstreiter auf eine Reaktion aus Hannover. Auf eine E-Mail vor der Veranstaltung habe die Kultusministerin nicht geantwortet.
* Mitten drin statt nur dabei
Schüler-Demo gegen Turbo-Abi
Gegen das Abitur nach zwölf Jahren demonstrieren Lüneburger Schüler im Zuge eines Streiks am Donnerstag, 8. Mai. Mit dabei sind unter anderem Schüler von Herderschule, Wilhelm-Raabe-Schule, der BBSI und Johanneum. Los geht's um 8.45 Uhr am Johanneum, Theodor-Heuss-Straße 1, gegen 10.45 Uhr folgt eine Kundgebung am Marktplatz und gegen 11.30 Uhr eine vor der Landesschulbehörde. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 1500 Teilnehmern.
carolerschienen am 7. Mai 2008
8. Mai 2008
Mehr als 2500 Schüler haben am 8. Mai in der Lüneburger Innenstadt gegen G8, Turbo-Abi und Schulstress demonstriert.
http://www.landeszeitung.de/start.phtml?tid=5&fdat=movie&mx=demos
super coole Aktion heute =) Wir waren Dabei!
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