Einst fällt keine Träne mehr,
denn alle sind schon verflossen,
alles scheint kalt, wirkt sinnlos,
als käme das Lachen niemals mehr.
Einst fällt kein Blatt mehr,
denn ihr Kleid ist schon verweht,
alles scheint kahl, wirkt trostlos,
als käme die Sonne niemals mehr.
Einst fällt der Schnee,
denn er ist ihr Federbett,
sie lächeln wenn sie träumen,
denn einst wird alles anders sein.
Einst kehren die Knospen zurück,
denn sie erhalten ihr neues Kleid,
und die Matten werden blühen,
denn die Sonne kommt zurück.
Einst kehrt der Funke zurück,
denn die Zukunft ist nicht verloren,
und die Augen werden leuchten,
denn das Lächeln kommt zurück.
Interpretation:
Dieses Gedicht spricht für einmal nicht von Einsamkeit, sondern vom Kreislauf der Jahreszeiten und der Gefühle. Es beginnt mit der Trauer und dem Herbst, dann kommt der Winter und zum Schluss der Frühling und die Hoffnung, es jedoch fehlt der Sommer und das Glück. Aber da der Sommer auch eine Jahreszeit ist, gehört er automatisch trotzdem auch zu diesem Zyklus auch wenn er nicht genannt wird. Jeweils eine Jahreszeit und ein Gefühl passen zusammen und die dazugehörigen Strophen sind auch vom Aufbau her gleich.
Diesem ewigen Kreislauf wird bereits in der ersten Zeile Ausdruck verliehen, indem in einem einzigen Satz sowohl Vergangenheit, Zukunft, wie auch Gegenwart vorkommen. Grammatikalisch ist das natürlich vollkommen falsch, aber es gibt einem das Gefühl als würde man aus einer fernen Zukunft zurück auf etwas schauen, das jetzt noch in der Zukunft liegt. Das wiederum verstärkt die Unendlichkeit oder Ewigkeit dieses Kreislaufes, da es sich immer wieder wiederholt. Jeweils der erste Vers jeder Strophe ist so geschrieben und der Rest im Präsens, so spielt sich das Ganze zwar jetzt, aber auch in der Zukunft, sowie in der Vergangenheit, ab. Obwohl jede Strophe mit „einst“ beginnt, haben diese Verse nicht jedes Mal denselben Effekt, in Strophe eins und zwei endet der Vers mit „mehr“ und in Strophe vier und fünf mit „zurück“. Das bedeutet das irgendwann überhaupt keine Tränen mehr fallen und der Funke zurückkehrt, aber dadurch, dass dieses „einst“ nicht zu einer bestimmten Zeit anzusiedeln ist, sondern im übertragenen Sinne „irgendwann“ bedeutet, wiederholt sich dieser Zyklus bis in die Ewigkeit.
In diesem Gedicht ist der Winter keine Zeit der Kälte und Trostlosigkeit, sondern die Zeit der Träume von einer besseren Zukunft. Denn in den ersten beiden Strophen überwiegt die Hoffnungslosigkeit, obwohl in der letzten Strophe ein Konjunktiv steht, scheint die Sonne und das Lachen für immer verloren. In der dritten Strophe ist plötzlich sicher, dass irgendwann alles anders sein wird und in den letzten beiden Strophen ist sicher, dass die Sonne und das Lächeln zurückkehren. Dieses Gedicht beginnt eigentlich mit dem Ende und endet mit dem Anfang. So beschreibt die erste Strophe das absolute Elend aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt und die letzten beiden Strophen zeigen, in Form der Knospen und Funken, eine mögliche Zukunft, oder ein neuer Beginn.
Einige Male fehlen in diesem Gedicht Bezüge, doch wenn man genauer hinsieht merkt man, dass es immer die Bäume sind und sie sind gleichbedeutend mit dem Menschen, die Bäume durchleben die Jahreszeiten und der Mensch das Auf und Ab der Gefühle.
In diesem Gedicht gibt es zwar keine Reime, aber es hat trotzdem eine sehr strikte Form. Es hat fünf Strophen mit je vier Versen und jeweils der erste Vers jeder Strophe ist gleich aufgebaut. Das Gedicht verbindet die Gefühle des Menschen mit den Jahreszeiten in der Natur, die erste und die letzte Strophe sprechen von Gefühlen und die drei in der Mitte von Jahreszeiten.
Dies ist ein Ausschnitt meiner Maturarbeit, das Gedicht und auch die Interpretation sind von mir -